Zurück zu den Lizards

Name: EkkehardEingetragen am 29.01.2011 um 18:28:26
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Chris, mein Nachbar, kennt die Unterfahrt in München nicht. Heißt das auch, dass er kein Jazzfan ist? Nicht zwingend, aber tendenziell eher wahrscheinlich. Also lade ich ihn ein mitzukommen. Ich bitte ihn mir über die Schulter zu schauen und ein Blick ins Internet zu wagen. Jede Empfehlung wäre ein Risiko. Ich selbst habe aber dort noch keine Bauchlandung erlebt und ist es nicht spannend, was man bei dieser Ankündigung erwarten darf?
Munich Lounge Lizards
Ob Sie nun brav und fromm waren oder nicht – heute Abend gibt’s was auf die Ohren. Die „Hardes Working Big Band in Town“ gibt den Jazz-Nikolaus und verteilt swingende Geschenke, hübsch verpackt durch die unnachahmlichen Ansagen von Bandleader Michael Lutzeier, der sicher auch das eine oder andere Mal zu – mein nicht zur Rute, sondern zu seinem Bariton-Saxofon greifen wird. Kein alter Mann mit weißem Bart wird auf der Bühne stehen, sondern eine junge Frau mit einem Mikrofon – und die liest auch nicht aus einem goldenen Buch, vielmehr singt sie ganz wunderbare Balladen und Standards aus dem Great American Songbook. Da wird selbst der Krampus zum Fingerschnipper und Mit-den-Knien-Wipper.

Mich laust der Affe am Nikolausi, die Bahn kommt mal wieder nicht nach Fahrplan. Auch keine freundliche Stimme, die erklärt, dass ein Hund ein Suizidversuch unternommen hat und die Ankunft des Zuges auf unbestimmte Zeit verschoben ist. Also S-Bahn, also Verspätung.
Chris hat weder zu- noch ab-, aber es war auch nicht sicher, dass er dabei ist. Am Hauptbahnhof war es klar. Keine Chance pünktlich zu sein. Ich erkenne nicht, ob er verpasste Zug zwischenzeitlich mit überholt, nicht überrollt, hat, ich lebe ja noch. Aber war das nicht eben Walter, der Cellist aus Petershausen, der vor mir steht? Ich meine ihn zu erkennen. Seine grau weißen Haare, die strähnig unter der Kopfbedeckung herausschauen sind ein, sein Markenzeichen, ja so sehen richtige Musiker aus. Noch etwas zweifelnd rufe ich ihm nach, aber weg war er.
Bis man die Unterfahrt, das Jazzlokal in München, d.h. die Eingangstür erreicht, geht man katakombengleich endlose Gänge entlang, die man zum sinnieren nutzen kann. Nun, da ich mich der Kasse nähere, denke ich darüber nach, ob es reduzierte Karten gibt. Schließlich bin ich schon Rentner. Wenn das nicht hilft kann ich noch mit 80% Schwerbehinderung dienen.
Gähnende Leere in den Gängen. Wo sind die Gäste? Ein paar Minuten drüber, ist das ein Grund?
Halt, da kommt ja jemand quer, also vielleicht von der Toilette, in schwarz und Schlapphut. Also doch ein Gast. Er tritt ein, ich hinterdrein. Als er seinen Hut lüftet, sehe ich seine Tonsur mit Fransen dran, so wie man es von Clownsperücken her kennt.
„Wissen Sie wie spät es ist?“, hörte ich den Kassierer fragen. Ich schlucke etwas. Der Herr, der kein Clown war, antworte für mich. „Zehn nach neun?“ Da er die Stimme hob, war es eher eine Zurückfrage. Ach je, ich war gar nicht gemeint. „Es ist bereits vierzehn“, war die Zurückantwort. „Nein, nein“, mischte ich mich jetzt ein „erst zwölf, also noch im akademischen“ kam ich ihm zu Hilfe.
„Vierzehn Euro.“
Er schwenkte den Kopf zu mir. Nun wusste ich, dass ich gemeint war.
„Sind Sie Mitglied?“
„Mit Glied schon.“ Ich weiß, ein abgestandener, ausgelutschter Kalauer. Es sprudelte einfach so heraus, sorry. Der Mann in schwarz aber war sichtlich amüsiert.
Wissen Sie eigentlich was ein Kalauer ist? Nein? A-J. Warum? Weil alle auf das ‚K‘ lauern. Naja.
„Sie können auch Mitglied werden“, fuhr der Kassierer fort und streckte seinen Zeigefinger auf die Antragsformulare.
„Haben Sie denn auch ermäßigte Karten?“, will ich wissen „für Rentner oder geistig Behinderte?“ Diesen dummen Spruch muss der Mann in Schwarz auch ganz nett gefunden haben, denn er konterte ganz trocken: „Ich lade Sie ein!“, was zur Folge hatte, dass der Kassierer einen Strich in der Spalte ‚Gäste‘ machte und mir mit großen Augen signalisierte: Donnerwetter.
Ich beuge mich zum Kassierer um ihm zuzuraunen: „Wer ist denn der Herr?“
„Das ist der Chef der Band.“
Erst jetzt klingelt es bei mir. Richtig. Er sieht genau wie Walter aus. Wie richtige Musiker eben.
Der Mann in Schwarz widmet sich seinen Vorbereitungen neben der Bühne. Ich gehe auf ihn zu und zupfe an seinem Ärmel. „Ich wollte den Musikern ein Getränk ausgeben, aber … ich habe ja nicht geahnt, dass es so viele sind.“
„Schon o.k. Genießen Sie den Abend.“
„Danke!“
Es waren satte siebzehn Musiker auf der Bühne und wenn man die zwei Damen wieder abzieht, bleiben noch fünfzehn, plus den Dirigenten und Bandleader, plus der Sängerin, macht also wieder siebzehn. Da wundert es nicht, dass der Sound satt ist.
Der Bandleader – jetzt hat er auch einen Namen, Michael Lutzeier, ist gleichzeitig Moderator und führt durch das Programm mit vielen Hintergrundinformationen und viel Humor. Mit lockeren Sprüchen gestaltet er den Abend, wie z.B.
Wenn Sie unter dem Tisch tanzen wollen, tun Sie sich keinen Zwang an.
Nun gehen wir in lateinamerikanische Gefilde, für die Humanisten unter uns.
Sie trägt den Swivel Teets, ach nein, sie trägt den Titel ‚Sweets‘
Für den Laien unter uns, erklärt er, dass der Zug der Posaune sieben Stellungen hat und es Aufkleber gibt mit der Aufschrift: Trombones do it in seven positions. Bei der Bemerkung eines Zuhörers, dass es ja auch Po-saune hieße, kommt wieder Heiterkeit auf. Meinen Gedanken wie man Lutzeier dazu in Verbindung bringen könnte, lasse ich schnell wieder fallen.
In der Pause bestelle ich beim Ober noch ein Bitter Lemon und gebe ihm noch einen Auftrag mit auf den Weg. Er möge die Damen, nämlich die Sängerin, die Pianistin und die Trompeterin fragen, was sie trinken möchten.
So darf ich weiter aus Petershausen kommen und nicht aus Nassau.
Herr Lutzeier leitet das Ende des Konzertes ein mit den Worten „viertel vor Nesquik, Zeit umzurühren!“
Zeit für mich die Bahn um null Uhr dreißig noch zu erwischen.
Also Chris, das nächste Mal kommst Du mit, oder?
 
 
Name: UdoEingetragen am 08.12.2010 um 22:31:28
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Fast vergessen ...
Julia war Klasse! die sollte demnächst auch wieder dabei sein :)
 
 
Name: UdoEingetragen am 08.12.2010 um 22:26:24
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Bin zwar etwas aus der Übung, aber das lässt sich ja ändern :)
Nach dem Konzert in der Unterfahrt frage ich mich, ob ihr nicht einen Klarinettisten brauchen könnt. Und als Backup-Saxofonist könnte ich auch mitmachen.
 
 
Name: dorisEingetragen am 02.06.2010 um 02:14:41
Homepage: http://www.sadomaso-sexfilme.com
Ich finde den Aufbau der Seite sehr gut.Macht weiter so.
 
 
Name: ChristopherEingetragen am 08.04.2010 um 22:50:09
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Vielen Dank für einen Super-bigband Abend gestern. Vor allem der Ellenbogenbloss war ja nur noch vom Allerfeinsten - die Erinnerung daran wird mir helfen, wenn ich das nächste Mal schlechtgelaunt S-Bahn fahre! Christopher
 
 


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